WERKSTATTGESPRÄCHE 2016 // #1: Was von Karl Marx über (kindliche) Kompetenz zu lernen ist

11.03.2016 // Freitag // 18.30 Uhr




Kritisch-psychologischer Salon

Die Gesellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis lädt ein

Werkstattgespräche 2016
Die Gesprächsreihe will einen Austausch innerhalb der Kritischen Psychologie und darüber hinaus anregen: Überlegungen zu psychologisch und gesellschaftlich relevanten Gegenwartsfragen sollen so präsentiert werden, dass sie – das akademische Korsett der Psychologie sprengend – die gemeinsame Reflexion und antikapitalistisches Handeln voranbringen. Der Salon kann ab 18:30 mit einem Getränk und Zeit für ein persönliches Gespräch beginnen, um 19 Uhr s.t. geht´s mit dem Vortrag los.

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#1
11. März 2016: Was von Karl Marx über (kindliche) Kompetenz zu lernen ist. Wie umgehen mit den Widersprüchen zwischen individueller Durchsetzungsfähigkeit und solidarischem Handeln?

Gegen die alltägliche Erziehungsgewissheit und -praxis macht die Kindheitsforschung kindliche Kompetenz geltend. Dieser Ansatz wird in kritisch-psychologischer, damit marxistisch-subjektwissenschaftlicher Perspektive auf die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft und die „Pathologie des Normalen“ („so fucking crazy you can’t follow their rules“, John Lennon) bezogen. Unter Bezug auf den Begriff der Handlungsfähigkeit, der die Aufmerksamkeit auf das machtvermittelte Verhältnis von Handlungsmöglichkeiten und -behinderungen richtet, soll herausgearbeitet werden, wie Entwicklungs- und Handlungswidersprüche vom Standpunkt des Kindes zu verstehen sind, und wie, gegen das pädagogische "Grenzen setzen", solidarisches Handeln zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen in gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozessen entwickelt werden kann.

Morus Markard, Dipl.-Psych. Dr. phil. habil., Professor für Psychologie an der FU Berlin

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#2
15. April 2016: Emanzipatorisch denken - aber wie? Ferienuni-Spezial des Forum Kritische Psychologie

Das vorliegende Sonderheft des Forum Kritische Psychologie enthält ausgewählte Beiträge der neunten Ferienuniversität Kritische Psychologie, die 2014 unter dem Titel »Den Gegenstrom schwimmen« stattfand. Ein großer Teil der Beiträge widmet sich themenbezogen dem Verhältnis der Kritischen Psychologie zu in linken Kreisen breit rezipierten psychoanalytischen und poststrukturalistischen Ansätzen. Maria Hummel gibt zunächst einen Überblick über das Heft und seine inhaltliche Ausrichtung. Im Anschluss wird Martin Fries seine Überlegungen zum Verhältnis von historischem Materialismus und Poststrukturalismus anhand von Fragen zu Identitätspolitik, sprachlicher Gewalt und Subjektpositionen vorstellen. Christian Küpper zeichnet abschließend die Diskussionen um das Unbewusste nach, in denen kritisch-psychologische Gedanken mit den psychoanalytischen Konzeptionen Jacques Lacans und Alfred Lorenzers konfrontiert wurden.

Maria Hummel, M.sc. in Klinischer Psychologie, in Ausbildung zur tiefenpsychologischen Psychotherapeutin derzeit in einer Schmerzklinik tätig; Christian Küpper, Dipl.-Psych., u.a. im Weglaufhaus „Villa Stöckle“ tätig und Martin Fries, M.A. in Philosophie, Politikwissenschaft und Psychologie, u.a. als Lehrbeauftragter am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften tätig.

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#3
08. Juli 2016: Rassistische Gewalt und Lebensführung – Wie können psychische Folgen rassistischer Verhältnisse begriffen werden?

In den letzten 30 Jahren hat sich Rassismustheorie und -forschung auch in Deutschland als Forschungsfeld herausgebildet. Ideologietheoretische Zugänge von Robert Miles, Stuart Hall und Etienne Balibar waren dabei zentrale Bezugspunkte, um ein Rassismusverständnis zu formulieren, welches individuelles Denken, Handeln und Fühlen in den Zusammenhang rassistischer gesellschaftlicher Strukturen und Diskurse stellt. In meinem Vortrag geht es um die subjektive Bewältigung rassistischer Gewalt durch die Betroffenen. Anhand von Fallanalysen und unter der Perspektive der Lebensführung werden die jeweiligen Konstellationen aus Handlungsmöglichkeiten und -einschränkungen rekonstruiert, in denen Betroffene mit der Gewalt umgehen. Anknüpfend an jüngere Arbeiten aus dem Feld rassismuskritischer Forschung zu Rassismuserfahrungen soll diskutiert werden, wie psychische Kosten rassistischer Verhältnisse mit kritisch-psychologischer Begrifflichkeit zugänglich werden können.

Gesa Köbberling, Dipl.-Psych., promoviert am Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie der Freien Universität Berlin zur Beratung von Opfern rechter Gewalt

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#4
14. Oktober 2016: Trauma, Trigger, Trivialisierung. Probleme eines Diskurses (nicht nur) in der Linken

Ursprünglich ist "Trauma" in der Psychologie ein ernstzunehmender, wenngleich umstrittener Begriff, um Folgen von schockierenden Erfahrungen zu beschreiben. In jüngerer Zeit wird er jedoch zunehmend eingesetzt, um selbst kritische Darstellungen gesellschaftlicher Verhältnisse zu diskreditieren. Manche Beispiele klingen wie von Konservativen erfunden, etwa Campusregeln, die "Klassenverhältnisse zum Tabu" machen, weil "sich jemand ... an die eigene Unterprivilegierung erinnert ... fühlen könnte" (FAZ, 20.9.15). Der Vortrag analysiert den Diskurs, der mittlerweile auch in der Linken geführt wird.

Michael Zander, Dipl.-Psych., Dr. phil., vertritt eine Professur für Reha-Psychologie an der HS Magdeburg-Stendal

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#5
11. November 2016: Psychiatrie im Neoliberalismus. Eine kurze Geschichte und Kritik der Sozialpsychiatrie

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vollzieht sich eine Reformation der psychiatrischen Versorgung, welche in der psychiatrischen Medizin oft vorbehaltlos als die Abschaffung des menschenunwürdigen Asyls gefeiert wird. Der Vortrag wird einen kurzen Überblick über die wesentlichen Prozesse dieser Veränderungen geben und dabei versuchen, die neoliberale Restrukturierung der Psychiatrie zu skizzieren. Neben den institutionellen, diagnostischen und pharmakologischen Veränderungen soll auch die sich wandelnde Anti-Psychiatrie-Bewegung beschrieben werden.

Robin Iltzsche, M.Sc. in Psychologie, promoviert am Institut für Soziologie in Frankfurt am Main zur psychiatrischen Regierung von Suizidalität.

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#6
9. Dezember 2016: Wie entstehen Vorurteile bei Kindern? Subjektwissenschaftliche Perspektiven auf sozialpsychologische Konzepte und Befunde

Im angloamerikanischen Raum geht die Forschung zur Ontogenese von Vorurteilen bis in die 1930er Jahre zurück. Hierzulande ist sie bis heute randständig geblieben, wäre aber eine wichtige konzeptionelle Grundlage für allerlei Ansätze (z.B. Anti-Bias-Ansatz, Kinderwelten), die vorurteilsbewusste Bildung mit Kindern anleiten wollen. Der Vortrag informiert über einschlägige Theorie und Empirie, und diskutiert Relevanz und Gehalt aus kritisch-psychologischer Sicht.

Katrin Reimer-Gordinskaya, Dipl.-Psych. Dr. phil., Professorin für Kindliche Entwicklung, Bildung und Sozialisation an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Täglich ab 18 Uhr

Emser Straße 131
S+U Neukölln, Hermannstraße (Ringbahn)
Bus 171, 246, 277, N79
Das Laika ist barrierefrei zugänglich.

kulturkosmonauten [AT] gmail.com